B-Klasse (Frau Redies)

➠ Karneval der Tiere (2018)

IDEE:
These 1: Fast jedes Kind findet Tiere interessant, mag sie, hat Angst vor ihnen, hätte gerne eines, wäre lieber eines...
These 2: Verkleiden ist klasse.
Synthese: Jeder Schüler baut ein mechanisches Tier, das sich in ein anderes verkleidet hat. Am Ende gibt es einen großen Umzug.

VERKLEIDEN
Im Karneval – am Faschingsdienstag, darf man sich verkleiden, verhüllen, aus der Haut fahren und in eine andere hinein. Meistens werden die Kinder Piraten, Prinzessinnen, Ronja Räubertochter, Superman, ein Bär oder Einhorn - irgendetwas oder jemand, der Fähigkeiten und Eigenschaften hat, die sie auch gerne hätten.
Was für ein Tier wäre wohl gern der Tiger? Als was würde sich der Frosch verkleiden? Welche Maske würde der Hecht wählen? 

Die Kinder brauchen also zwei Positionen – Sein und Schein. Sie überlegen, warum sich ihr X als ein Y verkleidet hat. Diese Fragestellung erfordert ein bisschen Einfühlungsvermögen. Die Kinder müssen beide Tierarten betrachten, ihr Wesen herausfinden, Fähigkeiten und Schwächen, Besonderheiten und die Lebensweise. Dann wählen sie die Verkleidungsform. Das kann – wie im echten Fasching – ein gemustertes Hemd, aufgesetzte Ohren, eine Gesichtsmaske oder Schminke sein, angeschnallte Flügel oder übergestreifte Schwimmhäute.
Es kann natürlich auch so etwas Komplexes wie die Tigerente von Janosch dabei herauskommen. 

PRAXIS
Jedes Kind baut ein mechanisches Tier, das an einem Stock geschoben wird und sich mehr oder weniger artgemäß bewegt, schleicht, kriecht, hüpft, flattert...
Die Tagebuchzeichnung dient als Vorlage für das aus Holz gebaute Spielzeug.
Im Laufe der Woche lernen die Kinder mit Werkzeugen umzugehen. Sie haben sich mit Laubsägen durch Sperrholz gekämpft, Löcher gebohrt, Achsen eingebaut ... sie verstehen den Exzentermechanismus, der ihr Tier bewegt. 

Dienstag | 6. März 2018

Die 3a hat große Mengen Material in den Kunstraum geschleppt - für 3 Wochen und 3 Klassen kommt einiges zusammen. Alle verteilen sich an den schon farbenfrohen Tischen. Welche Wonne, hier ist kein Tischschutzgebiet, sondern freier Raum für freie Geister. Den ersten Tag begleitet uns Colette Dittmann in ihrem Reich, danach übernehmen die Klassenleiterinnen ihre Schäfchen.

Aus den türkisblauen Aluminiumkisten ziehen wir stückweise mechanische Spielsachen, lassen uns anhand von Würfel und Kugel Schwerkraft und Reibung erklären, erfinden das Rad und lagern Klötzchen auf Kugeln...Dreul und Exzenter lassen Räder sausen, die Kinder erklären, warum das Schaf nicht über die Kante fällt und der Clown den Salto kann. Auch zu unserem Thema haben wir schon Material dabei: Exzenterbeispiele aus der Spielzeugkiste sind Schmetterling und Frosch, Marienkäfer und Klappermaus. Nach dem Physik-Chrashkurs folgt eine halbe Stunde sachkundiges Selberspielen, dann wird das Werkbuch verteilt, beschriftet und ein Spielobjekt gezeichnet.

Das Musikstück von Saint Saens haben wir dabei, von Loriot gesprochen. Die Musiklehrerin nimmt es mit den Klassen parallel durch, was uns sehr freut. Trotzdem hören wir zur Ein- und Ortsbestimmung den Anfang: wie sich alle Tiere in der Arena versammeln, die Ameise nicht über den Hut gucken kann, und der Löwenkönig nur mäßigen Applaus bekommt. Das ist also unsere Situation. Wir sind die Zuschauer in den Rängen, verkleidete Tiere. Um eine große Vielfalt an Tieren zu erreichen, haben wir Bücher und Kalender dabei. Jedes Kind darf sich zwei Tiere aussuchen, das „Echte“ und die „Maske“. Dabei sollen sie auf Kontraste und Gegensätze achten – eine Maus als Ratte wäre kein Hingucker, eine Katze als Leopard nur eine kleine Schminkaufgabe. Aber der Wolf im Schafspelz und die Mücke als Elefant...da muss man sich was ausdenken.

Dann geht es noch um die Träume: Warum gehst du an Fasching als Spiderman, warum will der Wurm eine Spinne sein? Fähigkeiten gewinnen für einen Tag, die man sonst nicht hat – Schönheit, Klugheit, Geschicklichkeit, Kraft...?

Zuerst werden beide Tiere einzeln gezeichnet, dann die gelungene Verkleidung, bei der man beides sehen soll. Wir setzen Wolfs- und Tigergesichter auf, um ein Beispiel vorzuführen. Man kann aber auch Schwänze ankleben, Leggings überstreifen, sich schminken und Perücken tragen. Eigenes Gewächs entfernen kann man eher nicht, so dass die als Nashorn verkleidete Gazelle hinterher 4 Hörner hat – 2 stumpfe vorn und zwei spitze oben. Es sind begabte Zeichner*innen in allen Klassen zu finden.

Es gibt fünf Modelle. 1. Den Vierfußgänger klassisch, 2. einen Flatterer horizonthal, 3. einen Flatterer stehend, der auch ein Winkender sein kann. 4. ein aufrecht Schwankendes mit Baumelarmen und 5. ein Kriechmodell für Schnecke, Wurm, Fisch, Spinne...Die Zuordnungen treffen wir anhand der Tagebuchzeichnungen in der Pause. Die Kinder finden ein A-B-C-D-E bei ihren Skizzen und können sehen, in welcher Weise sie sich fortbewegen werden.

Dann sägen alle aus einer Sperrholzplatte ihren Rumpf aus. Beim Vorzeichnen helfen wir, da das Modell noch nicht ganz verstanden oder zu kompliziert ist. Sägen können sie alleine. Mal gradlinig und schlank, mal mit Umwegen und Radau. Nach dem Sägen kommt das Schleifen. Der Tag neigt sich, wir räumen auf und hören noch die Hühner oder die wilden Esel an.
 

Mittwoch | 7. März 2018

Alle sollen Geschichten schreiben - WAAAS? - es gibt gute Noten für gute Geschichten, ein kleiner Anreiz, wie wir hoffen, das auch zu tun. Wir zeigen ein Buch über verrückte Tierfreundschaften – Hund liebt Eulenbaby, Affe liebt Taube – so was könnte auch geschehen in den Bänken der Arena. Die Tiere können sich anfreunden oder verwechseln, suchen und finden. Hauptsache, ihr schreibt ;)

Weiter geht es mit dem Zeichnen und Aussägen von Flügeln, Vorderpfoten, Hinterpfoten, Flossen, Köpfen...Parallel werden an der Ständerbohrmaschine Löcher gebohrt und Räder mit dicken Achsen versehen. Die fertigen Teile werden in eine Klammer geklemmt und aufgestellt und von allen Seiten mit Acryl bemalt. Strukturen von Adlerfedern und Stachelschweinborsten kann man mit mehreren Farben direkt auf dem Holz mischen. Papptellerpaletten sollen weitergereicht werden, gelegentlich losgeschickte Fürsorgetrupps sammeln gestrandete Werkzeuge ein und verhindern den vorzeitigen Pinseltod. Die Pinsel breit nehmen zum Streichen – darin glänzt die 3b.

Donnerstag | 8. März 2018

All das sollte man noch aussägen: Nasen, Ohren, Hörner, Krallen, Augen...oder Accessoires wie Spielzeug, Futter, ein Baby. Es ist etwas unruhiger heute, weil natürlich für die meisten Kinder JETZT erstmal DRINGEND das Zusammenbauen käme. Später kann man immer noch sehen, ob man eine Puppe möchte. Das Warten zerrt an den Nerven und die wartenden Kinder zerren an uns. Das ist aber immer so.

Wir mechanisieren also Stück für Stück, sie kommen in Einzelteilen zu uns und hüpfen animiert vom Tisch, an einem Probestock zum Üben. Mit Draht werden Flügel und Beine gehoben, Köpfe und Schwänze zum Nicken gebracht. Dafür darf jedes Kind Löcher bohren, Schrauben schrauben, Gewindeschrauben anziehen, Ösen eindrehen. Jedes Tier ist ein Unikat mit eigenen Lösungen.

Zu den Aufgaben gehört auch die malerischen Details: wie sehen die Streifen der Zebras aus, die wabenförmigen Giraffenflecken und Leopardenblümchen. Es gibt Stempel, mit Buntstift werden Fell- und Federstrukturen gezeichnet, Echsenhaut, Nasenlöcher, Pupillen und Hufe.

Freitag | 9. März 2018

In das Werkbuch wird eine Werkzeugkiste gezeichnet, von der Schraubzwinge zum Gummihammer. Außerdem die Urwald-Arena mit allen verkleideten Tieren aus der Klasse. Anlass, sich mal umzusehen und einander zu portraitieren. Die Bänke sind nicht alle prall gefüllt, aber 15 Besucher kann man bei vielen schon wiedererkennen.
Als alle mechanisiert sind, gibt es Schiebestäbe. Vorsichtig wird im Flur das Laufen geübt. Manche Kreatur kommt wegen seiner Spannweite kaum zwischen den Bänken durch. Sie rappeln und klappern beim Laufen rhythmisch, andere gleiten sanft, jede Bewegung ist anders. Ein paar Plakate werden gemalt. Schluss mit Bauen, der Abschied vom eigenen Geschöpf ist immer herzzerreißend.

 

Freitag | 16. März 2018

DIE PARADE

Alle Tiere treffen sich in der Turnhalle, die Kinder verwechseln das erstmal mit Hockey spielen und kurven wild umeinander. Colette Dittmann engagiert sich rettend als Dompteurin und stellt einen konzentrierenden Blumenstrauß in die Mitte der Halle. Bald laufen alle im Gänsemarsch ein paarmal gemeinsam im Kreis, dann verteilen sie sich wieder an den Rändern. Jedes Kind hat seinen eigenen Auftritt: einmal in die Mitte kommen, um den Tulpenstrauß herum fahren (fliegen, rennen, kriechen...), stehenbleiben und den anderen Kindern verraten, wer sich da als was verkleidet hat. Und warum. Die einen tun das mit vernehmlicher Stimme und großer Hingabe, die anderen in Lichtgeschwindigkeit und ganz leise.

Es folgen 10 Minuten gefährliches Freispiel, ein wildes Durcheinander zwischen Panik, Tanz und Kampfeslust. Es ist erstaunlich, was die Tiere alles aushalten. Es ist auch erstaunlich, was die Kinder denken, dass die Tiere alles aushalten. Die meisten tun es zum Glück auch. Es gibt noch Besuch von einigen anderen Klassen und dafür nochmal die gesittete Parade im Kreise.

Endlich ist es soweit und wird erlaubt: Alle nehmen ihr Tier mit nach Hause.

Eine vollständige Dokumentation des Projektes sowie einen Film der Präsentation finden Sie auf der Website von Julia Ziegler und Christian Bilger:
http://www.erdsaugkraft-fliegschwung.de/karneval_der_tiere.html

Eine PDF-Datei kann mit einem Klick hier heruntergeladen werden.

Finanziert wurde das Projekt aus dem Bonus-Programm des Berliner Senats.

BEWEGUNG MACHT MEHR SPAß ALS KEINE BEWEGUNG
Julia Ziegler & Christian Bilger
www.erdsaugkraft-fliegschwung.de
KUNST+TECHNIK

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Christian Bilger
Straße der Pariser Kommune 37a
10243 Berlin
Mobil: +49 17620650898
www.christian-bilger.de
cb@christian-bilger.de

 

Klicken Sie hier, um zurück zur Übersicht zu gelangen.